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Zen und Atmen

Bauer und Ochse

Was hält den Hirten auf dem Ochsen?

Wer sich zum ersten Mal auf ein Meditationskissen setzt, der begegnet als Erstes seinem eigenen Atem. Zen und Atmen sind untrennbar miteinander verbunden, und wer beim Zen bleibt, der lernt viel über seinen eigenen Atem.

Einfach ein- und ausatmen genügt nicht – auch wenn man das dem Anfänger so sagt. Wie genau atmet man? Atmet man durch die Nase ein und durch den Mund aus? Wie lange soll man einatmen, und wie lange ausatmen? Hält man zwischendurch den Atem an? Wohin und wie tief soll man atmen? Wie geht das überhaupt – Atmen?

Wer wie ich seit vielen Jahren Zazen macht, der entwickelt notwendigerweise Atemtechniken. Diese Techniken sind hilfreich; etwa um in die Sammlung zu kommen oder um die Schmerzen in den Beinen auszuhalten, die einen manchmal fast um den Verstand bringen. Und ohne richtige Atemtechnik ist das Kinhin einfach eine gymnastische Übung, bei der man sich zwischen dem Sitzen die Beine vertritt. Worum es bei dieser Gehmeditation wirklich geht – dass es nämlich keinen Unterschied macht, ob man sitzt oder geht – das wird man nie erfahren, wenn man nicht richtig atmet.

Über die Jahre habe ich gelernt, meinen Atem zu steuern, um mich dann von ihm führen zu lassen. Wie auf dem berühmten Bild mit dem Hirten auf dem Ochsen lasse ich mich vom Atem tragen und vertraue darauf, dass er mir hilft.

Trotz dieser langjährigen Praxis habe ich in «Breath» von James Nestor viel gelernt, das dieses Jahr auf der Shortlist des Royal Society Science Book Prize steht. Die Expedition des amerikanischen Journalisten zu den Geheimnissen uralter Atemübungen ist ebenso spannend wie seine wissenschaftlichen Selbstversuche zusammen mit dem schwedischen Pulmonauten Anders Olsson gruselig sind. Mit Esoterik hat das wenig zu tun, auch wenn das so scheinen mag, umso mehr mit Evolutionsbiologie und Medizingeschichte. Ich habe nicht nur viel über Techniken wie die Buteyko-Methode und Tummo, die Atemtechnik hinter der Wim-Hof-Methode gelernt, sondern auch eine hilfreiche App wie Breathly entdeckt, die einem beim Atmen hilft.

 

 

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