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Future Museum

Future Museum

Was heisst und zu welchem Ende studiert man Kulturmanagement?

Im Zug des Relaunchs der Website kulturvermittlung.ch wurde mir immer deutlicher bewusst, wie sehr sich das Kulturmanagement – und mit ihm auch die Kulturvermittlung – in den letzten Jahren entwickelt und verändert hat.

Zur Erinnerung: Kulturmanagement wurde anfangs als «Marketing» verunglimpft, das gute Kunst nicht nötig habe. Und Manager waren ohnehin verdächtig. Stattdessen galt: «Leeres Theater – gutes Theater». Kunst und Kultur müssen sich nicht rechnen. Zumindest war das Anfang der Nullerjahre die Devise.

Während der Expo.02 habe ich den unternehmerischen Ansatz in der Kultur nicht nur verinnerlicht, sondern diesen auch zum archimedischen Ausgangspunkt meines Denkens und Handelns gemacht. Das galt damals als Verrat am Wesen der Kunst, die sich eben gerade dadurch vom Kommerz unterscheidet, weil sie zweckfrei sei und keinen Nutzen zu stiften habe. Dass Theater, Opernhäuser und Museen letztlich auch Märkte sind, auf denen die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten, wollte niemand hören.

Heute ist das alles anders. Heute präsentiert sich Kulturmanagement als lebendige Verknüpfung von Kommunikation, Design, Kunst und Ökonomie. Kulturmanager und Kulturvermittlerinnen wissen, dass es in erster Linie darum geht, die Aufmerksamkeit von potentiellen Besucherinnen und Besuchern klug und hoffentlich nachhaltig zu bewirtschaften.

Nirgends wird das für mich greifbarer als wie beim Forschungsprojekt Future Museum, in dem ich das Technorama vertrete. Auf der Agenda stehen Themen wie Yield Management und die Optimierung der customer journey, wir reden von KPI's und Dashboards und diskutieren über die Funktionen von Museen und Science Centern jenseits von Standortmarketing und Umwegrentabilitäten. Und überall wirkt die Digitalisierung, die – wie jede technologische Innovation – immer auch die Produktion und Rezeption von Kunst und Kultur prägt.

Das sind nur auf den ersten Blick «buzzwords». Tatsächlich stehen sie für den fundamentalen Wandel des Kulturmanagements, das sich von kuratierten Zwangsbeglückungen eines prinzipiell defizienten Publikums verabschiedet hat. Partizipation heisst stattdessen die Losung: «If it's not about us, it's not for us».